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Hotel Fox
Schlafen wie Alice im Wunderland
© Jens Maier

"Komm zu Mama": In Zimmer 202, gestaltet von Boris Hoppek,
darf sich der Gast wie ein Baby fühlen
Von Jens
MaierEin Blick in die Zimmer beweist: Design-Hotels gibt es
viele, doch keines ist so einzigartig wie das "Fox" in Kopenhagen. 21 Künstler
entführen die Gäste in wundersame Schlafwelten.Babyschreie aus
Zimmer 202 - an der Rezeption wird man sich daran gewöhnen müssen. Nicht wegen
der vielen Kinder, nein! Wer dort einzieht, darf sich selbst wie ein Kleinkind
benehmen, mit Plüschpuppen spielen und die böse Welt draußen lassen - "You are A
Baby" steht an der Zimmertür. Viel ruhiger dagegen sind die Gäste in 112. Sie
wollen ungestört ihren Ausblick auf den kleinen Wald in den Bergen genießen -
mitten in Kopenhagen. Und das Jodeln von Geißenpeter und Heidi aus den Almhütten
506 und 409 im fünften und vierten Stock? Auch das wird am Empfang nur noch mit
einem Achselzucken quittiert. Das Hotel Fox ist eben anders, ganz anders.
21 internationale Künstler haben die insgesamt 61 Räume
gestaltet. Möbel, Teppiche, Tapeten - jeder Künstler hatte völlig freie Hand.
Herausgekommen ist ein Hotel, in dem Gäste in jedem Zimmer eine neue Welt
entdecken und sich wie Alice im Wunderland fühlen können. Kein Raum ist wie der
andere, in jedem haben die Künstler ihre Phantasien verwirklicht. Es gibt
Fruchtbarkeitszimmer mit riesigen Betten aus Samt, Traumräume bewohnt von
zauberhaften Waldwesen. Es gibt große, wuschelige Monster, die den Schlaf der
Gäste bewachen, Räume mit Elfen und Königen, andere mit mexikanischen Catchern,
japanischen Geishas oder alpinen Comicwelten.
Viel Aufwand: Zimmer 502,
"Clubs - The Secret Palace" von Container
"Wir wollten etwas völlig Neues"Noch Ende 2004 sah
das Fox einfallslos aus: Eichenmöbel, Kronleuchter, dunkler Teppichboden. "Wir
haben nach einer guten Idee gesucht, was wir daraus machen können", sagt Kirsten
Brøchner, die das Haus bereits leitete, als es noch Park-Hotel hieß. "Klar war,
es müsste etwas völlig Neues sein." Just zu diesem Zeitpunk war auch der
deutsche Autobauer Volkswagen auf der Suche nach einem geeigneten Ort, um den
neuen Kleinwagen "Fox" vorzustellen. Man setzte sich zusammen und entwickelte
die Idee, das Hotel von Künstlern umgestalten zu lassen.
Unter mehr als 3000
Bewerbern wurden schließlich die 21 ausgewählt, die an der Umsetzung beteiligt
waren. "Und wenn wir von 21 Künstlern sprechen, dann sind es ja in Wirklichkeit
fast 40. Die meisten traten in unterschiedlichen Gruppen und Konstellationen
auf", erklärt Kim Pörksen, künstlerischer Bauleiter. Er war für die Koordination
zwischen den Kreativen, der Hotel-Leitung, den Architekten, den Lieferanten und
den Handwerkern verantwortlich. "Die Zeit war unser größtes Problem", sagt
Pörksen. "Wir hatten nur 109 Tage, um unser Konzept in die Wirklichkeit
umzusetzen und das Chaos war am Anfang groß. Schließlich gab es kaum Vorgaben,
die zu erfüllen waren. Lediglich die Brandsicherheit und der Anschluss eines
Fernsehers musste gewährleistet sein, über alles andere ließ sich reden."
Der "Sweet Sleep" Raum von
Genevieve Gaukler
Aus
weiß mach buntNachdem das alte Hotel komplett leer geräumt und von innen
saniert war, wurden die Zimmer mit weißen Wänden an die Künstler übergeben -
zwei Wochen später sollte eröffnet werden. "Es ist unglaublich, dass wir das
noch geschafft haben", sagt Luise von der Londoner Design-Truppe "Container" als
sie in ihrem fertigen Zimmer "The Royal Gardens" steht. "Wir haben erst auf die
Wand gemalt, danach tapeziert, dann die Tapete bemalt und nochmals teilweise
Tapete aufgetragen", erklärt sie ihre zeitraubende Art zu arbeiten. Ihre
Collagen aus Tuschezeichnungen und Fotos wachsen über Seiten, Türrahmen,
Lichtschalter, sie breiten sich über Wände und Fußboden aus, als wären sie eben
gerade einem Märchenbuch entsprungen.
So unterschiedlich wie die
Künstler, war auch ihre Vorgehensweise. Es gibt Grafikdesign vom Feinsten, runde
Ecken, weiche Kanten und Holz. Holz als Furnier, zu Möbeln gebogen, Holz als
Muster auf einer von insgesamt 32 neuen Tapeten, die eigens für das Hotel Fox
entwickelt wurden. "Ich hatte am Anfang schon Angst, dass uns das Ergebnis
vielleicht nicht gefallen würde", gibt Hoteldirektorin Kirsten Brøchner zu,
"doch unser Mut hat sich gelohnt. Ich bin glücklich, dass wir mitgemacht haben."
Auch die Künstler sind mit ihrer Arbeit zufrieden. "Es wäre cool, wenn mein
Zimmer zu Hause auch so aussehen würde, wie Raum 415, den ich gestaltet habe",
sagt Leo von Viagrafik stolz.
Zimmer-LotterieAb
25. April, wenn das Hotel offiziell eröffnet wird, werden auch die Gäste in die
Wunderwelt der Künstler eintauchen dürfen. Dann beginnt an der Rezeption die
Zimmer-Lotterie: "Wonach fühlen Sie sich, Baby, Heidi oder Märchenkönig?",
dürfte dann eine der Fragen lauten. Doch Vorsicht! Wer einmal im Fox abgestiegen
ist, könnte leicht süchtig werden. Schließlich warten nach dem ersten Besuch
noch 60 weitere Zimmer darauf, entdeckt zu werden.
Hotelinformationen
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Hotel Fox Jarmers Plads 3 DK1551
Kopenhagen Dänemark Telefon: +45 3313 3000 Internet: http://www.hotelfox.dk/ Doppelzimmer ab 125 Euro
inklusive Frühstück |
Artikel vom 14. April 2005