Bettina Ritter
Können Sie sich vorstellen, Ihr Hotel sofort zu schließen und es
von jungen Künstlern umgestalten zu lassen?" Mit diesem Vorschlag
wurde im November vergangenen Jahres die Kopenhagener
Hotelier-Familie Brøchner überrascht. Freakige Straßenkünstler
sollten so schnell wie möglich die 61 Zimmer der Herberge in
einzigartige Kunstwerke verwandeln. Auftraggeber für diese Aktion
war der Volkswagen-Konzern, der für die Präsentation seines neuen
Kleinwagens Fox eine zielgruppengerechte Unterkunft für 800
Journalisten aus aller Welt brauchte.
Die Vorstellung des Autos sollte in den ersten drei April-Wochen
in Kopenhagen stattfinden. Danach würde das auf VW-Kosten
umgestaltete Hotel wieder von Brøchners und ihrem Personal geführt
werden, unter dem Namen "Hotel Fox" aber weiter für das Produkt des
Autokonzerns aus Wolfsburg werben.
Nach kurzem Zögern ließen sich die Brøchners auf den Deal ein:
Innerhalb eines Monats mussten sie das ehemals muffige
50er-Jahre-"Park Hotel" auf eigene Kosten renovieren und mit
weißgetünchten Zimmern und weißgekachelten Bädern an die Künstler
übergeben. Die enterten Anfang Januar die Räume. Ihre Aufgabe: sich
austoben. Einschränkungen und Auflagen gab es nicht.
Nur eine Bedingung war zu erfüllen: Bis April sollten die sechs
Stockwerke fertig sein. In weniger als 100 Tagen verwandelten die 21
Künstlergruppen aus aller Welt das ursprünglich altbackene Hotel mit
grünem Teppich und gemusterten Tapeten in eine hippe Trendherberge.
Die Zimmer zeigten sich nun teils grellbunt, teils mystisch, aber
auch grafisch und klar.
Inspiriert wurden die meist poppigen Räume durch Comic-Figuren
oder japanische Mangas. So ziert die Bettdecke des Raumes "The pink
room" ein liegendes Comic-Mädchen, an den Wänden ringsum fliegen
luftige Wolken auf rosarot gemusterter Tapete vorbei. Als
Bettvorleger dient eine geflügelte Wolke aus Teppich. "Wir wollten
freestylen", so Xavi, 25, vom Künstlerduo "Freaklüb" aus Barcelona.
"Die Idee war, dass wir einen Charakter entwerfen, der auf dem Bett
schläft und man sieht die Träume die Tapete entlang fließen."
Wie "Freaklüb" stammen die meisten Künstler aus der
Street-Art-Szene, manche arbeiten hauptberuflich als Designer und
Grafiker. Die Ergebnisse finden bei den Gästen ein geteiltes Echo.
"Sehr viel Charme, sehr viel Originalität", so der 30-jährige Ilan
aus Paris. "Allerdings sind die Zimmer sehr zeitgenössisch, zum Teil
auch ziemlich psychedelisch." Und Thorsten aus Stuttgart meint:
"Wenn man nach Feng-Shui davon ausgeht, dass beim Schlaf die Seele
auf Wanderschaft geht, dann könnte die hier und da vielleicht mal
ein Problem kriegen." Damit niemand beim Betreten seines Zimmers
eine böse Überraschung erlebt, kann sich der Gast an der Rezeption
seinen Raum aussuchen. Bitte-nicht-stören-Schilder sind mit einem
Ausschnitt der Tapete bedruckt und vermitteln dem Gast so einen
ersten Eindruck. Und wie neben richtigen Kunstwerken im Museum
hängen auch neben den Türen im Hotel Fox kleine
Informationstäfelchen, die Auskunft über den Künstler und sein Werk
geben.
Kaum zu glauben, dass das Hotel ursprünglich ein reiner Werbegag
ist, wenn auch ein bisher einzigartiger. "Natürlich haben wir dieses
Projekt initiiert, um zu erreichen, dass wir in den Medien
stattfinden", sagt Volkswagen-Sprecher Hartwig von Saß. "Inzwischen
hat das alles aber eine faszinierende Dynamik entwickelt und besitzt
ein ganz eigenes Leben."
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